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Wettbewerblicher Messstellenbetrieb – Bedrohung oder Gelegenheit für Stadtwerke?

von Steffen Heudtlaß,

Nicht zuletzt auch durch die Fachgespräche auf der diesjährigen E-World befeuert, drehen sich in vielen kleinen und mittleren, nicht gesellschaftsrechtlich entflochtenen Energieversorgungsunternehmen, die Diskussionen um die massiven Auswirkungen des MsbG auf Prozesse, IT und nicht zuletzt auch auf die Wertschöpfungsmöglichkeiten.

De facto gilt in vielen Häusern die Erfüllung der Rolle des grundzuständigen Messstellenbetreibers (gMSB) als gesetzt. Häufig geht hiermit, eine diffuse Sorge in Richtung der nun in Erscheinung tretenden wettbewerblichen Messstellenbetreiber (wMSB) einher. Zusätzlich ist meist aus gutem Grund das eigene Haus, in der Regel hier der eigene Vertrieb, sehr interessiert an der Möglichkeit, wettbewerbliche Koppelprodukte anbieten zu können.


An diesem Punkt sehen sich viele KMU abgehängt und regelrecht benachteiligt, da sie, anders als die großen Marktteilnehmer, nicht über bereits bestehende, separate Gesellschaften verfügen, um den wMSB auch juristisch getrennt abbilden zu können. Die Schaffung gesonderter Gesellschaften nur für diesen Zweck, wie von einigen Experten als nötig im Sinne der aktuellen Vorstellungen der BNetzA eingeschätzt, scheint zumindest für die ersten Jahre für kleine Unternehmen kaum bezahlbar und im Hinblick auf die zunächst überschaubaren Kundenzahlen auch nicht gerechtfertigt.


Hier sei der beglückwünscht, der weiterdenkt. Es ist mit dem passenden Dienstleister selbstverständlich auch als kleines Unternehmen möglich, neben der Rolle des gMSB auch einen „eigenen“ wMSB nach den regulatorischen Vorgaben der BNetzA aufzubauen, hierbei die eigene IT nicht mit teuren Doppelstrukturen zu belasten und dem Endkunden tatsächlich werthaltige Koppelprodukte anbieten zu können.

Es liefert der Dienstleister den gesellschaftsrechtlichen Rahmen, integriert externe Software praktisch „unsichtbar“ im Hintergrund in das eigene ERP-System und bietet dem Stadtwerk im Rahmen von White-Label-Produkten die Möglichkeit, gegenüber den eigenen Kunden umfassend vertraglich aktiv zu werden.
Es eröffnet sich die nötige und als gMSB so schmerzlich vermisste Freiheit der Preisbildung und des innovativen Produktdesigns. Gerade diese Option stellt den wettbewerblichen Messstellenbetrieb in der aktuellen gesetzlichen Ausprägung als Segen und keinesfalls als weitere Bedrohung für viele Netzbetreiber dar.

Steffen Heudtlaß
Steffen Heudtlaß

Bereits seit Jahren für die deutsche Energiewirtschaft in unterschiedlichen Rollen tätig, hat der Fachinformatiker und Diplom-Kaufmann (FH) Steffen Heudtlaß vor allem in den Bereichen Regulierung, Entflechtung und wettbewerbliche Neuausrichtung des Marktes sein Know-How gesammelt. Bis Ende 2017 als Geschäftsführer der HKS Informatik GmbH tätig, bringt er seit Anfang 2018 seine langjährige Branchenerfahrung in die MeterPan ein. 

Steffen Heudtlaß beschäftigt sich insbesondere mit der Produkt- und Geschäftsentwicklung.

sheudtlass[at]meterpan [dot] de