MeteringBlog

Smart Smart Smart

von Georg Baumgardt,

Wir leben in einer verrückten Welt. Alles wird "smart" und was nicht von Hause aus "smart" ist, wird "smart“ gemacht. Smart Home, Smart Meter, Smart Grid, Smart Food, Smart Market, Smart TV, Smart… Die große Frage, was das "smart" eigentlich bedeuteten soll und was daran smart, ist bleibt dabei bisher weitgehend unbeantwortet.

Auf jeden Fall klingt das Wort sehr modern und ist sicherlich auch verkaufsfördernd. Nehmen wir zum Beispiel den schon viel diskutierten Smart Meter. Setzen wir hier smart mit intelligent gleich wären wir vermutlich vom Ergebnis enttäuscht. Denn außer seinen Besitzer über den aktuellen und historischen Stromverbrauch zu informieren, macht der Smart Meter eigentlich nichts. Allerdings ist der Stromkunde eventuell, ausgestattet mit den Daten vom Smart Meter, selbst in der Lage intelligente Entscheidungen zu treffen, da er nun mehr Informationen zur Entscheidungsfindung hat. So könnte hierdurch der erwünschte positive Effekt eintreten: „Smartere“ Entscheidungen. 

Ein Blick auf das Themenfeld Smart Home führt zu ähnlichen Schlüssen. Da spricht man mit einem Lausprecher vom Versandhändler unter Umständen ebenso viel wie mit den humanen Mitbewohnern in den eigenen vier Wänden. Anstatt den Lichtschalter zu drücken oder das Heizungsthermostat zu bedienen, wird hier das Handy gezückt und die Glühbirne über eine App eingeschaltet. Das Smarte ist hier eigentlich auch nicht die Glühbirne, die weiterhin einfach für Licht sorgt. Es ist vielmehr die Möglichkeit, dass durch eine externe Steuerung die Glühbirne eingeschaltet wird, bevor man nach Hause kommt.

Erstaunlicherweise wird die Vernetzung von Glühbirne bis Kaffeemaschine, über Fernseher bis Toaster, wie selbstverständlich und ohne schlechtes Gefühl an "die Cloud" angebunden. Wissen Sie, wo die Verbindung endet, wenn Sie Alexa bitten das Licht in der Küche anzumachen? 

Auf der anderen Seite der technologisch-regulatorischen Entwicklung, gefühlt ganz weit weg vom Konsumenten, spielt sich gerade die Digitalisierung der Energiewende ab. Hier wird der 15-Minuten-Wert des Stromzählers mit den kryptographisch ausgebufftesten Methoden, die die Republik derzeit zu bieten, hat gesichert und auf höchst verschlüsseltem Wege in ein Hochsicherheitsrechenzentrum transportiert. Die Information, ob der Fernseher läuft oder nicht, wer davor sitzt und was wie lange geschaut wird, darf der Smart TV also in die Cloud transportieren. Wie viel Strom der Fernseher in 15 Minuten verbraucht, ist aber ein schützenswertes Asset wie es das BSI definiert.

Dabei gibt es natürlich weit mehr Synergien, die genutzt werden könnten, als das Smart Home und Smart Meter jeweils ein Smart im Namen tragen. Die Smart Meter, oder wie sie der Gesetzgeber nennt, die intelligenten Messsysteme, bieten ihre stark verschlüsselten Datentransportfähigkeiten beispielsweise auch anderen Systemen im Haushalt an. So würde sich, geeignete Hardware vorausgesetzt, eine hoch sichere Verbindung für die eigenen Smart Home Komponenten herstellen lassen. 

Das ist aber noch nicht alles. Die Bereitstellung von Daten in beide Richtungen könnte einige Vorteile bieten. Beispielsweise, wenn sich im Portal des Energieversorgers neben dem Gesamtstromverbrauch auch die Smart Home Steckdosen und die hier ermittelten Verbräuche einsehen ließen und somit nur ein Ort zur Verbrauchsanalyse aufgesucht werden müsste. Ebenso könnte der vom Stromzähler ermittelte aktuelle Verbrauch Einfluss in die Haussteuerung finden. Insbesondere, wenn die Menge an "smarten" Geräten zunimmt und eine zeitliche Verlagerung von Energiebezug durch die Nutzung von Akkus ohne Komforteinbußen möglich wird. 

Wie die Innovationsforschung nahe legt müssen sicherlich noch einige Evolutionsstufen erklommen werden, bevor sich die unabhängig voneinander entwickelnden Produktwelten verbinden. Aber der Energiekunde, der unter Umständen für ein intelligentes Messsystem zur Kasse gebeten wird, stellt zurecht die Frage, was er denn davon hat. Die Kopplung der beiden Welten trägt das Potential in sich, Mehrwerte zu schaffen und zumindest den Anwender aufgrund von Fakten zu intelligenten Maßnahmen zu befähigen. Denn smart ist nur dann smart, wenn ein nachhaltiger höherer Nutzen generiert wird.

Im Rahmen des NEW 4.0 Projektes haben wir gemeinsamen mit den Stadtwerken Norderstedt die ersten Schritte zur Verschmelzung dieser "Smarten Welten" unternommen und untersuchen intensiv, welche Möglichkeiten sich daraus tatsächlich ergeben. Wir sind gespannt, welche Ideen und Vorschläge uns auch von den 2000 teilnehmenden Testhaushalten mit auf den Weg gegeben werden.

Ich werde Ihnen hiervon berichten, hoffentlich „smart“.

Georg Baumgardt
Georg Baumgardt

ist als Produktmanager Metering Ihr Ansprechpartner für alle Themen rund um das moderne Messwesen.

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