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Mobile First oder was brauche ich wirklich: Von der Kunst des Weglassens

von Georg Baumgardt,

Es gibt Werbeslogans, die muss man einfach platzieren, um Produkte in einer bestimmten Sparte verkaufen zu können.
Will man moderne und innovative Lösungen platzieren, scheint die Aussage "Mobile First" notwendig, um sich an den jungen, dynamischen mit 30er zu wenden, der im Starbucks quasi nebenbei seine Tätigkeit Work-life-balanced.

Dieses Mobile First kann man allerdings sehr unterschiedlich auslegen. Der naheliegende Versuch, ein bestehendes Produkt direkt 1:1 auf die mobile Welt zu übertragen, ist wie mehrere Vorbilder eindrucksvoll beweisen ein Holzweg.
Kleines Beispiel gefällig? Wer kennt zum Beispiel noch Windows Mobile? Nein, ich meine nicht das optisch und haptisch durchaus ansprechende Windows Phone, sondern jenen Versuch aus Redmond das große Windows auf den kleinen mobilen Bildschirm zu bringen (und damals war klein noch wirklich klein). Resultat waren quasi die ersten Smartphones, die am Markt verfügbar waren mit einer begeisterten Anhängerschaft.
Jedoch blieb es ein Nischen Produkt. Der Vormarsch der Smartphones bis in den letzten Winkel unseres Alltags hinein begann mit einem anderen Gerät. An dieser Stelle soll nun nicht der Siegeszug des IPhones beschrieben werden, dies wurde von Film bis Comic zu genüge dokumentiert, sondern ein kurzer Blick auf einen Kern Aspekt des Erfolges geworfen werden.
Die Apple Inc. hat nicht ihr Desktop System geschrumpft, sondern ein neues System geschaffen und alles weggelassen, was man ihrer Meinung nach nicht braucht. Somit wurde ein Produkt geschaffen, welches von seinen Rahmendaten allen anderen zu dieser Zeit am Markt verfügbaren Geräten unterlegen war. Es konnte weniger, und kostete mehr.

Der unglaubliche Erfolg bestätigt aber das für die mobile Nutzung eines solchen Gerätes eben andere Spielregeln gelten als am Laptop oder der Workstation. Will man unterwegs wirklich alles machen und alles können? Oder ist man bereit Einbußen hinzunehmen, die Dinge, die man tut mit hohem Komfort tun zu können?
Ein mobiles PowerPoint muss tatsächlich komplett andere Anforderungen erfüllen als ein PowerPoint für den Desktop.
Und hier fängt es an kompliziert zu werden.

Wer schon einmal mit einem Billig Flieger in den Jahresurlaub geflogen ist und mit sehr geringem Freigepäck reisen musste, der weiß wie schwer es ist sich vor dem Kleiderschrank zu entscheiden was man denn die nächsten Wochen wirklich brauchen wird. Und jeder kennt den "Schmerz", wenn man sich verplant hat und die eingepackte Garderobe doch nicht den örtlichen Umständen entspricht.
So ist das auch mit dem viel gelobten Mobile First. Was brauche ich mobil denn wirklich?

Wir beschäftigen uns bei der MeterPan derzeit intensiv mit dem Thema Visualisierung von Verbrauchswerten. Angetrieben ist die Diskussion durch den bevorstehenden Rollout intelligenter Messsysteme. Wie motiviere ich meinen Kunden die Visualisierungen, die in §61 des MSBG vorgeschrieben ist, auch wirklich zu nutzen?
Desktop Portale können in dieser Hinsicht schon viel leisten. Über Sinn und Unsinn so mancher Funktionen kann in einem separaten Blogpost gestritten werden, aber eins ist klar: Die meisten Nutzer wollen von ihrem mobilen Endgerät auf die Informationen zugreifen. Das einfache zurecht komprimieren der angezeigten Graphen um auf den vier bis sieben Zoll großen Taschenrechnern angezeigt zu werden ist eine Möglichkeit. Aber interessiert mich das alles wirklich? Welche Informationen benötige ich wirklich auf den ersten Blick? Wo muss eine Informationsaggregation stattfinden und wo muss eine Information eventuell auch erst einmal der Nutzbarkeit weichen?


So manche Erkenntnis wohin die Augen der Benutzer zuerst wandern hat uns in den Tests und Versuchen doch überrascht. Und welche Information nachhaltig behalten und kognitiv verarbeitet wird ist noch einmal ein ganz anderes Thema. Das menschliche Gehirn ist ein wirklich überraschendes Organ.
Noch ist unsere App nicht fertig, aber wir freuen uns schon heute darauf sie unseren Kunden zu Verfügung zu stellen und noch mehr darüber zu lernen, was man wirklich braucht und was auch schmerzfrei wieder verschwinden darf. Mit dem Feedback unserer Kunden sind wir optimistisch den Anspruch an Mobile First zu erfüllen und nicht auf der Urlaubsinsel festzustellen, dass der Pelzmantel zwar flauschig, aber nicht nützlich ist.

Georg Baumgardt
Georg Baumgardt

ist als Produktmanager Metering Ihr Ansprechpartner für alle Themen rund um das moderne Messwesen.

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