MeteringBlog

Mit dem Heizschwert den Knoten durchschlagen

von Georg Baumgardt,

Was wäre, wenn…
Was wäre, wenn es plötzlich die versprochenen Smart Meter Gateways gäbe?
Was wäre, wenn plötzlich die Kundencenter gestürmt werden, weil die Kunden ein intelligentes Messsystem haben möchten?
Was wäre, wenn sich plötzlich echte Mehrwerte für Kunden und Versorger finden ließen?

Das wäre schön aber passieren wird es wohl nicht. Zumindest lassen sich in Forschungsprojekten, wie bei dem Projekt NEW 4.0 – Norddeutsche Energiewende, ohne Rücksicht auf die normalen Marktgegebenheiten einzelne Stellschrauben drehen, um die Auswirkungen auf das Gesamtsystem zu untersuchen.

„Ceteris paribus“ sagte mein Volkswirtschaftsprofessor stets, wenn er wilde Kurven in ein Koordinatensystem malte.

Und genau so werden in Norderstedt einzelne Rahmenbedingungen verändert, um zu untersuchen wie sich die Kunden verhalten und welche Auswirkungen sich auf das Gesamtsystem ergeben.

Soweit so gut und so oft auch bereits an dieser Stelle berichtet. Bisher richtete sich alles Augenmerk auf die Verlagerung des Stromverbrauchs. Letztlich liegt aber der Sprung in andere Sparten auf der Hand. Beispielsweise, um mittels Sektor Kopplung andere fossile Brennstoffe zu substituieren.

Hier ein weiteres "was-wäre-wenn-Gedankenspiel"

was wäre, wenn ein Versorger seinem Stadtwerk eben nicht nur Strom und Gas verkauft, sondern dem Endkunden KWH "Energie" anbietet? Spielt es denn eine Rolle für den Endkunden, ob sein warmes Wasser via Gas oder mit Strom erhitzt wird? Und aus der anderen Richtung gefragt: könnte es für Versorger, je nach Preis am Strommarkt, interessant sein, die Kunden im Bereich Heizung oder Warmwasserversorgung für eine gewisse Zeit mit Strom anstatt mit Gas zu beliefern? Welche Flexibilität könnte daraus entstehen und wäre es möglich dieses Konstrukt auch als Regelenergie zu nutzen?

Im Rahmen von NEW 4.0 haben wir große Teile der benötigten Intelligenz bereits in den teilnehmenden Haushalten. Und wie immer wird nun am offenen Herzen geforscht, also direkt bei den Kunden, wie es Projektleiter Thorsten Meyer von den Stadtwerken Norderstedt formulieren würde. Nicht in Simulationen oder Modellen sondern in Echt und zum Anfassen. Über die Ergebnisse werden wir zu gegebener Zeit erneut berichten.

Ich höre an dieser Stelle bereits die Bedenken in Ihren Köpfen. Das kann sich doch nicht rechnen! Der Aufwand für jeden Kunden ist zu groß! Das funktioniert doch in der Fläche gar nicht! Mit dem aktuellen Strompreisdesign macht das doch keinen Sinn!

Ja, all diese Bedenken sind zurzeit nicht von der Hand zu weisen. Allerdings möchte ich anmerken, dass wenn der "was-wäre-wenn-Knoten" nicht einfach mal durch kleine, aber innovative Vorstöße durchschlagen wird, nichts passieren wird. Dann können wir weiterhin darauf warten Mehrwerte zu finden oder Begeisterung bei den Kunden zu entfachen.

Im Rahmen der Umsetzungen von NEW 4.0 in Norderstedt bietet sich das Heizschwert für das Durschlagen des Knotens geradezu aufdringlich an.

Georg Baumgardt
Georg Baumgardt

ist als Produktmanager Metering Ihr Ansprechpartner für alle Themen rund um das moderne Messwesen.

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