MeteringBlog

Mieterstromprojekte als Einstieg ins moderne Messwesen?

von Georg Baumgardt,

Mieterstrom ist eines der Schlagworte das unweigerlich mit einer nachhaltigen Energiewende in Verbindung gebracht wird. Die Medien sind voll von Berichten über große und kleine Mieterstromprojekte und auch die Politik hat das Potential erkannt. Zudem tummeln sich unzählige Anbieter, mit zunehmender Tendenz, die als Contractor die gesamte Planung und auch den Betrieb für den Liegenschaftseigentümer übernehmen. In diesem Artikel werden die Grundzüge des Mieterstroms erklärt und aufgezeigt warum Mieterstromprojekte optimale Projekte für den Einstieg in das moderne Messwesen sein können.

Das dem Mieterstrom zugrundeliegende Modell ist einfach. In der Liegenschaft wird durch ein BHKW oder auch eine Photovoltaikanlage Strom erzeugt und dieser wird den Bewohnern zur Verfügung gestellt. Durch die räumliche Nähe der Erzeugung wird nicht das öffentliche Stromnetz genutzt, sondern ausschließlich die Leitungen des Anlagenbetreibers und des Liegenschaftseigentümers. Dadurch entfallen die Netznutzungsentgelte und die Konzessionsabgaben. Durch den Wegfall dieser Kostenblöcke ist das Modell eine Win-Win-Situation für Mieter und Anlagenbetreiber. Wird in der Liegenschaft mehr Strom erzeugt als verbraucht, wird diese Überproduktion in der Regel in das öffentliche Netz eingespeist. Liegt die Erzeugung unterhalb des Verbrauchs wird aus dem Öffentlichen Netz Strom bezogen und mit eingespeist. Der Endkundenpreis für die Kilowattstunde beruht also immer auf einer Mischkalkulation.

Für Stadtwerke und Energieversorger stellt sich die Situation etwas anders da. Die bisherigen Kunden die nun am Mieterstrom partizipieren sind erst einmal verloren, wenn man nicht noch einen anderen Vertrag mit dem Kunden hält. So kann es passieren das ganze Wohnblöcke plötzlich aus der Versorgung verschwinden.
Daher bietet es sich an, dass Stadtwerke selbst als Partner der Wohnungswirtschaft Mieterstromprojekte umsetzen, um nicht den Kundenkontakt zu verlieren und auch die Lieferung des zu wenig produzierten Stroms zu übernehmen.

Was in der Theorie insgesamt sehr verlockend klingt birgt in der Praxis einige Fallstricke. Insbesondere die Abrechnung der Endkunden ist ein komplexes Thema. Denn natürlich bleibt in Deutschland jedem Mieter überlassen von wem er Strom bezieht. So kann es in den Liegenschaften auch Kunden geben welche nicht am Mieterstrom teilnehmen, sondern sich weiterhin von einem anderen Lieferanten beliefern lassen.

In der Praxis haben sich verschiedene Varianten zur Abrechnung herauskristallisiert. Grundlage ist aber in jedem Falle eine exakte und stichtagsgenaue Messung. Es müssen sowohl Einspeisung als auch Bezug am zentralen Netzübergabepunkt gemessen werden sowie auch die Erzeugungsleistung und die Verbräuche der einzelnen Mieterstrom Kunden.  Bei Mieterstromprojekten die über ein BHKW auch die Wärmeerzeugung übernehmen, fallen zusätzlich Wärmemengenmessungen als auch die Bezugsmessung des vom BHKW benötigten Gas an. Kurzzyklische Messwerte können hier auch für die optimale Steuerung der Erzeugungsanlagen benutzt werden.

Aufgrund der auf der Hand liegenden Mehrwerte durch exakte und stichtagsgenaue Messungen eignen sich Mieterstromprojekte hervorragend als Einstieg in das moderne Messwesen. Die ansonsten immer aufkommenden Fragen nach dem Nutzen sind hier klar und prägnant zu beantworten. Zudem handelt es sich um einen überschaubaren Rahmen und bietet den Reiz sich nicht nur mit der Messung von Strom zu beschäftigen, sondern von Anfang an auch andere Sparten in die Pilotierung mit einzubeziehen.

Georg Baumgardt
Georg Baumgardt

ist als Produktmanager Metering Ihr Ansprechpartner für alle Themen rund um das moderne Messwesen.

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