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Kommunikationstechnologien im Messwesen

von Julian Stenzel,

Messstellenbetreiber werden mit dem neuen Gesetz zur Digitalisierung im Messwesen vor gänzlich neue Herausforderungen gestellt. Dabei fallen zukünftig nicht nur die Kosten für den Messdatentransport zum Netzbetreiber oder Messstellenbetreiber an. Im Rahmen der zukünftigen Sternkommunikation müssen alle sog. berechtigten Dritten mit Messdaten zyklisch versorgt werden. Daher gilt es, sich bereits vor Rollout einer größeren Zahl von intelligenten Messsystemen Handlungsoptionen für die Kommunikationstechnologien zu erarbeiten. Diese möchten wir Ihnen nachfolgend aufzeigen.

Das Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende definiert verbindliche Rolloutgrößen für grundzuständige Messstellenbetreiber und schafft Möglichkeiten für wettbewerbliche Messstellenbetreiber. Dabei ist es unerheblich zu welcher Gruppe der jeweilige gehört. Sämtliche Marktakteure in der Rolle des Messstellenbetriebs müssen diese Herausforderungen meistern. Blickt man auf die Rolloutverpflichtungen, entsteht ein diffuses Bild über die möglichen, auszustattenden Messstellen.

Die ersten Pflichteinbaufälle fallen dabei mehrheitlich in den Bereich der Industrie-, Gewerbe- und großen Haushaltskunden. Diese liegen in der Regel weniger gebündelt in Ballungszentren, sondern eher an den Stadträndern oder Gewerbeparks. Daraus resultieren gänzlich andere Herausforderungen, als es bisher im Bereich der RLM-Messung der Fall war. Darüber hinaus muss die Planung des Rollouts auch zukünftige Anforderungen kohärent abbilden können. Das bedeutet, dass die Kommunikationslösung zunächst die wenigen Einbaufälle kostengünstig anbinden und zudem den zukünftigen Massenrollout stabil ermöglichen muss.

Am Beispiel der exemplarischen Kostenaufstellung für den Betrieb eines intelligenten Messsystems in einer 1:1 Relation, bestehend aus einem Smart-Meter-Gateway und einem elektronischen Stromzähler, lassen sich einzelne Kostentreiber ausmachen. Nahezu 25% der jährlichen Betriebskosten entfallen auf die Kommunikation. Die ermittelten Zahlen basieren auf Vergleichsangebote und decken lediglich eine kleine Zahl eingesetzter Messsysteme ab, zeigen jedoch die grundsätzliche Problematik eindrücklich auf. 

Betriebskosten eines intelligenten Messsysteme pro Jahr
Abbildung: Betriebskosten eines intelligenten Messsystems pro Jahr in EUR

Somit stellt sich einmal mehr die Frage der richtigen Kommunikationstechnologie. In den vergangenen Jahren haben zahlreiche Stadtwerke positive Erfahrungen mit dem Einsatz der Powerline Technologie gesammelt. Dabei ist zu beachten, dass diese in engmaschigen Ballungsräumen sehr gut funktioniert und darüber hinaus eine leichte Konnektivität in den Häusern gewährleistet. Im massenhaften Einsatz ist diese Technologie sogar sehr kostengünstig einsetzbar und liefert zuverlässig Daten. Ein wesentliches Kriterium für den Einsatz bei Netzbetreibern dürfte sicherlich die Möglichkeit sein ein eigenes „Netz“ aufzubauen und somit weniger auf Drittanbieter angewiesen zu sein. Nachteil dürfte die relativ komplexe Netzplanung und Struktur, insbesondere in ländlichen Gebieten sein.

Am Beispiel der Powerline Technologie lassen sich bereits wesentliche Kriterien für die Auswahl ablesen. So erfordert das MsbG vom Messstellenbetreiber eine sichere Kommunikationsanbindung, die vom Endkunden nicht beeinflussbar ist. Ansonsten kommt der Messstellenbetreiber seinen Verpflichtungen beim Datenversand nicht nach. Darüber hinaus muss diese Technologie in Spitzenlastzeiten, aber auch im ländlichen Raum stabile Daten liefern und die Kosten gem. Preisobergrenze reduzieren. Das sind nahezu unmögliche Herausforderungen. 

Sternförmige Kommunikation
Abbildung: Sternförmige Kommunikation gem. BSI

Zentrale Bestandteile einer zukünftigen Kommunikationstechnologie sollten aus unserer Sicht nachfolgende, wesentliche Eigenschaften sein:

  • Stabile und sichere Kommunikationsleistung
  • Kostengünstiger Dauerbetrieb
  • Eigenständige Kontrolle der Konnektivität gegenüber dem Endkunden
  • Einfache Erweiterungsmöglichkeiten des Netzes
  • Ergänzung durch Funklösung in schwierigen Bedingungen

In nachfolgenden Artikeln werden wir daher auf die möglichen Kommunikationsszenarien genauer eingehen und Ihnen diese detailliert vorstellen.

Mit unserem Partner der IVU Softwareentwicklung und DZG erarbeiten wir neuartige Kommunikationsszenarien für den Messstellenbetrieb auf Basis innovativer Funklösungen. Bei Fragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.

Julian Stenzel
Julian Stenzel

ist als Geschäftsführer für die Geschäftsentwicklung der MeterPan GmbH zuständig und Geschäftsführer der IVU Informationssysteme GmbH. Er begleitet das neue Messwesen bereits seit mehr als 5 Jahren.

jstenzel[at]meterpan [dot] de

Tel +49 40 / 52 50 64-60