MeteringBlog

Klare Aussichten im Messwesen

von Julian Stenzel,

Im Entwurf des Messstellenbetriebsgesetztes werden die Einzelheiten des stufenweisen Rollouts intelligenter Messsysteme geregelt. Neben dem zeitlichen Rahmen werden auch Fragen rund um Erfüllungsaufwand und die technischen Mindestanforderungen für die sichere Datenkommunikation beantwortet. Im Folgenden stellen wir Ihnen die wesentlichsten Bestimmungen zusammengefasst vor:

Neue gesetzliche Regelungen im Überblick

  1. Wie erwartet, wird es eine Einbauverpflichtung für intelligente Messsysteme geben. Die Grenzwerte liegen bei einem Jahresstromverbrauch über 6.000 kWh bei Letztverbrauchern. Bei Betreibern von EEG- oder KWK-Anlagen liegt der Grenzwert bei einer Leistung von über 7 kW. Für den Rollout sind zwei Phasen vorgesehen:
    1. Ab 2017 sollen Messstellen mit einem Jahresstromverbrauch ab 10.000 kWh und EEG- und KWK-Anlagen mit einer installierten Leistung von 7 kW bis 100 kW ausgestattet werden.
    2. Ab 2020 folgen Letztverbraucher mit einem Stromverbrauch zwischen 6.000 und 10.000 kW und EEG- und KWK-Anlagen mit einer installierten Leistung über 100 kW.
  2. Die Preisobergrenzen werden auf 100 € / Jahr für Letztverbraucher ab 6.000 bis 10.000 kWh festgesetzt. Diese Grenzwerte können bei einem Verbrauch zwischen 10.000 kWh und 100.000 kWh verbrauchsabhängig auf bis zu 200€ / Jahr ansteigen. Bei Verbräuchen über 100.000 kWh spricht der Gesetzesentwurf von einem angemessenen Entgelt. Entsprechende Entgeltstaffelungen gelten auch für Einspeiser.
  3. Besteht keine Einbaupflicht für ein intelligentes Messsystem, soll bis 2032 eine moderne Messeinrichtung installiert werden. Hier liegt die Preisobergrenze bei 20 € / Jahr.
  4. Die Grundzuständigkeit kann durch ein Ausschreibungsverfahren auf einen anderen Anbieter übertragen werden. Dieses Verfahren muss durch den grundzuständigen Messstellenbetreiber auch dann angestoßen werden, wenn er den Einbauverpflichtungen nicht im vorgeschriebenen Maße nachkommt oder der ordnungsgemäße Messstellenbetrieb nicht sicher gestellt werden kann.
  5. Das Entgelt für den Messstellenbetrieb wird von den Netzentgelten für intelligente Messsysteme und moderne Messeinrichtungen (nicht aber für konventionelle Zähler) getrennt. Somit unterliegt das Entgelt nicht der Netzentgeltregulierung. Es greifen ausnahmslos die Preisobergrenzen des neuen Gesetzes.
  6. Bei Einbau eines intelligenten Messsystems muss zwingend ein Vertrag zwischen dem Anschlussnutzer und dem Messstellenbetreiber geschlossen werden. Dies gilt auch für den Netzbetreiber als grundzuständigen Messstellenbetreiber.
  7. Der grundzuständige Messstellenbetreiber ist verpflichtet, den Anschlussnutzer über die Möglichkeit der freien Wahl des Messstellenbetreibers zu informieren, bevor ein intelligentes Messsystem verbaut wird.
  8. Der grundzuständige Messstellenbetreiber ist verpflichtet, Preisblätter mit Preisangaben für mindestens drei Jahre zu veröffentlichen. Diese Veröffentlichung muss 6 Monate vor Beginn des Rollouts erfolgen und auch Informationen über die erbrachten Standard- und Zusatzleistungen des grundzuständigen Messstellenbetreibers beinhalten.
  9. Der Anschlussnehmer kann den Messstellenbetreiber für den Anschlussnutzer auswählen, wenn alle Stromzählpunkte der Liegenschaft mit intelligenten Messsystemen ausgestattet werden. Zusätzlich muss eine weitere Sparte wie Gas, Heizwärme oder Fernwärme über das Gateway angebunden werden und es dürfen keine höheren Kosten für den Anschlussnutzer entstehen.
  10. Neben der internen Tarifierung, die im Zähler oder Smart Meter Gateway stattfindet, wird auch die externe Tarifierung in ausgelagerten Servern explizit geregelt.
Julian Stenzel
Julian Stenzel

ist als Geschäftsführer für die Geschäftsentwicklung der MeterPan GmbH zuständig und Geschäftsführer der IVU Informationssysteme GmbH. Er begleitet das neue Messwesen bereits seit mehr als 5 Jahren.

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