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IT-Integration im Messwesen (Teil 2): Tiefenintegration oder Kopplung von IT-Systemen?

von Julian Stenzel,

Tiefenintegration oder Koppelung von IT-Systemen stellen zwei grundsätzlich unterschiedliche Ansätze bei der IT-Integration von bestehender Systemlandschaft mit der Smart-Meter-Gateway-Administration dar. Dabei beschreiben beide Konzepte mögliche Szenarien für die strategische Ausrichtung nicht nur des Messstellenbetriebes, sondern für das gesamte Unternehmen, ausgehend vom Marketing und Vertrieb, über die kaufmännischen Abteilungen bis hin zur Lagerwirtschaft und dem Messstellenbetrieb. Maßgeblich für die Entscheidung der Integrationstiefe sind dabei einerseits die bestehenden IT-Systeme als auch die Positionierung des Gesamtunternehmens im Kontext des zukünftigen Messstellenbetriebes.

IT-Projekte zeigen es immer wieder: Schnittstellen zwischen IT-Systemen können idealtypisch definiert und beschrieben sein. Die Praxis wirft jedoch immer wieder große Probleme auf. Sobald Geschäftsprozesse definiert und durch die IT Mitarbeiter interpretiert werden, können wir nicht mehr nur über IT-Schnittstellen sprechen, sondern allgemein über Schnittstellen. Um die zunehmend komplexeren Anforderungen der Geschäftsbereiche abdecken zu können, spielen flexibel anpassbare Schnittstellen und vor allem die Minimierung eine immer größer werdende Rolle.

Mit der Einführung der Marktprozesse und der daraus resultierenden effektiven Trennung von Netz und Vertrieb ist die Komplexität von IT-Projekten in den vergangenen Jahren erheblich (gesteigert) gestiegen. Insbesondere die einzuhaltenden Pflichten im Rahmen der Marktkommunikation haben die notwendige Integration von Abrechnungssystemen, Gerätemanagement und Energiedatenmanagement vergrößert.

Daher kommt der Integration von IT-Systemen zunehmend eine wichtigere Bedeutung zu. Diese spielt bei den kommenden Herausforderungen im Bereich des intelligenten Messstellenbetriebs eine zentrale Rolle. Hierbei müssen nicht nur die neuen Softwaresysteme, wie die Smart-Meter-Gateway-Administration in die bestehende Prozesslandschaft integriert werden, sondern auch bestehende Systeme an diese Herausforderungen angepasst werden. Im ersten Teil dieser Artikelserien wurde bereits über den elektronischen Beschaffungsprozess berichtet. Dieser erfordert die Einbindung der kaufmännischen IT-Systeme in diese Landschaft des Messstellenbetriebes. 


Abbildung 1: Tiefe Integration der Geschäftsprozesse mit der Smart-Meter-Gateway-Administration (Wilken GmbH)

Es stellt sich somit einmal die Frage, wie mit den Geschäftsprozessen des intelligenten Messstellenbetriebes rechts- und Unbundling-konform umgegangen werden soll. Einerseits müssen die IT-Systeme neue Prozesse abbilden und andererseits die bestehenden über Softwaregrenzen hinweg abbilden. Somit stellt sich die konkrete Frage, inwiefern die neuen Systeme in die Landschaft eingebettet werden sollen. Darüber hinaus muss der klassische Messstellenbetrieb mit bestehenden Messsystemen (Ferraris- und RLM Zähler) separiert von intelligenten Messsystemen des neuen, intelligenten Messstellenbetriebs betrachtet werden. Daraus resultiert insbesondere für Stadtwerke eine Grundlagenentscheidung: Soll der intelligente Messstellenbetrieb als zentrales Geschäftsmodell für die nächsten Jahre entwickelt und darauf aufbauend neue Geschäftsmodelle aufgebaut werden.

Die sich daraus ableitende Entscheidungskette wirft die zentrale Frage auf, inwiefern diese Geschäftsmodelle in die bestehende Prozesslandschaft integriert werden soll. Ist dies der Fall, so sollte der Messstellenbetrieb zukünftig umso mehr in die bestehenden Geschäftsprozesse integriert und attraktive Produkte für Vertriebskunden entwickelt werden. Das haben die Projekte der MeterPan eindeutig gezeigt. Als Beispiel sei die hohe Kundenbindungsrate von über 95% bei Vertriebskunden oder die erheblich effizienteren Abrechnungsprozesse bei SLP, RLM und Einspeisern genannt.

In diesem Fall wird von einer Tiefenintegration in bestehende IT-Systeme gesprochen. Nur diese Form der Integration ermöglicht effektive und vollintegrierte Geschäftsprozesse und Datenbasis. Insbesondere beim Übergang zwischen kaufmännischer und technischer IT lassen sich erhebliche Synergieeffekte erzielen, die durch Webservice basierte Schnittstellen eindeutig implementieren lassen. Dabei können Geschäftsprozesse zwischen den einzelnen Abteilungen umgesetzt und so eindeutige Synergien erzielt werden. Ist dies nicht der Fall, so müssen die beteiligten Mitarbeiter neue Systeme erlernen und alte als auch neue Welt bedienen können. 


Abbildung 2: Tiefenintegration der Geschäftsprozesse

Bei der Kopplung von IT-Systemen wird beim intelligenten Messstellenbetrieb heute insbesondere auf die bestehende und zukünftige Marktkommunikation zurückgegriffen. Diese ermöglicht zunächst eine Loslösung der bestehenden IT-Systeme von den zukünftigen Systemen des intelligenten Messstellenbetriebs, erhöht jedoch auch die Komplexität und Fehleranfälligkeit durch uneindeutige Schnittstellen. Insbesondere bei Updates und Upgrades müssen diese Schnittstellen erneut nachgezogen und gepatched werden. Jedoch ermöglicht die Loslösung des Messstellenbetriebes von der bestehenden IT-Landschaft Flexibilität als wettbewerblicher Messstellenbetrieb.


Abbildung 3: Kopplung von IT-Systemen

Daher sollte sich vor dem Beginn eines SMGA Projektes eindeutig die unternehmerische und strategische Ausrichtung des Unternehmens geprüft und definiert werden. Beide Szenarien bieten Vor- und Nachteile. Gerne berät sie die MeterPan mit ihren strategischen Beratungspartnern über beide Szenarien. 

Julian Stenzel
Julian Stenzel

ist als Geschäftsführer für die Geschäftsentwicklung der MeterPan GmbH zuständig und Geschäftsführer der IVU Informationssysteme GmbH. Er begleitet das neue Messwesen bereits seit mehr als 5 Jahren.

jstenzel[at]meterpan [dot] de

Tel +49 40 / 52 50 64-60