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IT-Integration im Messwesen (Teil 1): Ein zentraler Erfolgsfaktor oder doch notwendiges Übel?

von Julian Stenzel,

Unter dem Stichwort Digitalisierung hat der Gesetzgeber eine, wenn nicht die umfangreichste Novellierung im Messwesen seit den Wechselprozessen im Messwesen durchgeführt. Insbesondere den Themen der Datenkommunikation und des Datentransportes hat der Gesetzgeber große Aufmerksamkeit geschenkt. Somit kommt dem Aspekt Digitalisierung nicht nur im Gesetzestitel eine hohe Bedeutung zu. Daraus resultieren gänzlich neue Fragestellungen, wie der Versand von Messdaten neu geregelt wird oder wie Wechselaufträge für Messsysteme aus den Bestandssystemen an dritte IT-Systeme übergeben werden.

Die oben genannten Fragestellungen stellen lediglich einen Ausschnitt des gesamten Spektrums integrierter Arbeitsabläufe dar. Dabei ist zu beachten, dass nahezu 70% der vom FNN definierten Geschäftsprozesse nicht nur einen Anteil an der Smart-Meter-Gateway-Administration aufweisen, sondern vielmehr ein ERP- oder Abrechnungssystem in den Arbeitsablauf involviert ist, wie nachfolgender Prozessausschnitt aufzeigt.

Daher stellt sich nicht nur die Frage, welche Geschäftsprozesse in neuen IT-Systemen abgebildet werden müssen, sondern inwieweit diese auch in eine bestehende IT-Systemlandschaft integrierbar sind. Hierbei sind insbesondere neue Systeme im Kontext der Smart-Meter-Gateway-Administration von denen der klassischen IT-Landschaft zu unterscheiden. Einerseits fallen diese Systeme in den Zertifizierungskontext des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnologie, andererseits weisen diese hohe technische Hürden für den Betrieb auf.

Allein aus den technischen Spezifikationen des neuen Messwesens lassen sich bereits hohe Investitions- und Betriebskosten ableiten, die im engen Korsett der Preisobergrenze nun möglichst gering gehalten werden müssen. Dabei bestehen unterschiedliche Stellschrauben, auf die wir in diesem Blog künftig eingehen werden. Eine zentrale Stellschraube zur Abbildung der Geschäftsprozesse besteht in der tiefgreifenden Integration der Geschäftsprozesse in die bestehende IT-Landschaft des Messstellenbetreibers.

Waren annehmen
Abbildung: HP1.4 Ware annehmen (Quelle: Messsystem 2020: Systeme und Prozesse)

Die Abbildung der Geschäftsprozesse beginnt bereits beim Ausschreibungs- und Bestellprozess, läuft über die Lieferung, Annahmekontrolle und Lagerhaltung bis hin zur Verbuchung im Finanzwesen. Dabei bestehen die wesentlichen Anforderungen bei einer möglichst automatisierten Abwicklung der Prozesse. Hierbei ist zu beachten, dass bereits bei der Bestellung wesentliche Parameter für den Einbau- und Inbetriebnahmeprozess mit übergeben werden müssen.

Ebenso spielen diese Parameter beim Einbau eines intelligenten Messsystems eine zentrale Rolle. So muss der jeweilige Messplatz bereits vor dem Einbauauftrag im zentralen Gerätemanagement festgelegt werden und an den Smart-Meter-Gateway-Administrator übergeben werden. Daraus lässt sich ableiten, dass dem Monteur kein einfacher Wechsel des Smart-Meter-Gateways beim Einbau zur Verfügung steht. Auch die Inbetriebnahme eines intelligenten Messsystems muss prozessual zwischen dem Messstellenbetreiber, dem Monteur und dem SMGA abgestimmt sein.

Somit ergeben sich zahlreiche Schnittstellen zwischen bestehenden ERP- sowie Abrechnungssystemen und den korrespondierenden Systemen für das Messwesen. Dabei wird in den aktuellen Diskussionen mehrheitlich der Fokus auf diesen Bereich gelegt. Das greift jedoch deutlich zu kurz. Aus unserer Sicht sollten daher interdisziplinäre Projektteams gegründet werden, die die Anforderungen von der Beschaffung über das Marketing und Vertrieb, die Abrechnung und das Messwesen mit dem Lager vereinen. Sämtliche Anforderungen werden entsprechend fachspezifisch aufgenommen und in einem Gesamtprojektplan erfasst. 

Schematischer Aufbau Smart Meter Gateway Administration
Abbildung: Vereinfachte Systemlandschaft neues Messwesen

Die daraus resultierenden Integrationsaufwände bestehen zunächst an den Geschäftsprozessschnittstellen. Jedoch wirken sich diese Schnittstellen zunehmend auch auf die korrespondierenden IT-Schnittstellen aus. Ein hoher Automatisierungsgrad reduziert die Prozesskosten und den Aufwand zur Umsetzung des Messstellenbetriebsgesetzes. Jedoch gilt es genau zu beachten, welche Aufgaben selbst übernommen und welche ggf. an einen Dienstleister externalisiert werden. Auch dabei können nicht alle Tätigkeiten verlagert und die korrespondierende Verantwortung abgegeben werden.

Somit lässt sich die Frage: „IT-Integration – Ein zentraler Erfolgsfaktor oder notwendiges Übel?“ nicht auf den ersten Blick eindeutig beantworten. Vielmehr gilt wie immer in der Energiewirtschaft: Es kommt auf die eigene Wertschöpfungstiefe an. Es lässt sich jedoch festhalten, dass aus einem hohen IT-Integrationsgrad eine höhere Prozessautomatisierung und damit geringere Stück- und Prozesskosten entstehen können.

Nach diesem Einstieg in das Thema IT-Integration werden wir uns im nächsten Artikel der Serie vertieft mit den kaufmännischen Fragestellungen, insbesondere der Abbildung im Controlling befassen.

Gerne unterstützen wir Sie bei der Prozessauswahl und -umsetzung in Ihrem individuellen Fall. Unser Partnerunternehmen, die IVU Softwareentwicklung GmbH, bietet neben der Entwicklung passgenauer Messkonzepte, auch individuelle Integrationsprojekte an. 

Julian Stenzel
Julian Stenzel

ist als Geschäftsführer für die Geschäftsentwicklung der MeterPan GmbH zuständig und Geschäftsführer der IVU Informationssysteme GmbH. Er begleitet das neue Messwesen bereits seit mehr als 5 Jahren.

jstenzel[at]meterpan [dot] de

Tel +49 40 / 52 50 64-60