MeteringBlog

Im Spannungsfeld zwischen Euphorie und Winterschlaf: eMobility als Treiber der Netzdigitalisierung

von Georg Baumgardt,

Er: "Was machst du eigentlich beruflich?"
Ich: "Ich beschäftige mich mit Smart Metern"
Er: "Mit Smart was? Wozu braucht man das denn?"
Ich: "Das sind digitale Stromzähler. Die sind auch mit dem Internet verbunden und zeigen Dir jederzeit an wie viel Strom Du verbraucht hast. Das ist ein wichtiges Puzzelstück für die Energiewende!"
Er: "Ah, ok. Brauch ich nicht.. Am Samstag soll es ja wieder regnen.“

Smart Metering ist und bleibt ein Thema, das keine besondere Begeisterung hervorruft. Warum auch. So spannend ist es nun wirklich nicht was man damit tun kann. Vor allem nicht aus Sicht der Letztverbraucher. Solange der Strom aus der Steckdose kommt und man nach Möglichkeit am Ende des Jahres keine Nachzahlung zu erwarten hat, braucht es nur noch eine Ökostromplakette des Lieferanten und man hat alles was man braucht.

Aus Energieversorgersicht wird nun viel darüber nachgedacht, was man tun kann, um diesen Kreislauf zu durchbrechen. Das nun endlich die 3 für die Markterklärung notwendigen Geräte verfügbar sein werden ist mit diesem Blickwinkel auch kein Game Changer.

Eine parallele Entwicklung ist die breite Diskussion über Individualmobilität im Schatten des Dieselskandals. Alle großen Automobilhersteller arbeiten derzeit an einer kompletten Umstellung des Fahrzeugangebots. Und auch wenn die Ziele der Bundesregierung noch nicht erreicht sind, können wir uns alle sicher sein, dass Elektromobilität in einem größeren Maße zunehmen wird.

In einigen Gesprächen, die wir im Zuge verschiedener Forschungsvorhaben mit Automobilherstellern geführt haben, zeigte sich, dass bei der Entwicklung von Akku und Ladetechnik das Thema Netzstabilität nicht unbedingt die höchste Priorität genießt, wenn es überhaupt bedacht wird.

Wird nun in Großummelsdorf in der 1958 errichteten Zahnarztsiedlung die 17. Hochleistungs-Wallbox zum Laden von Tesla und anderen Elektroautos installiert, kann das zu nicht ganz unerheblichen Problemen führen, wenn um 17 Uhr nach dem Feierabendgolf alle Fahrzeuge im Straßenzug gleichzeitig mit Volldampf laden.

Aus Sicht des Netzbetriebs ist Smart Metering und Digitalisierung, entgegen des Endkundenblicks, nicht langweilig, sondern eine vielversprechende Alternative zu Horden von Baggern und Kabeltrommeln.

Wird die Last in einem Netzstrang zu hoch, kann gezielt die Ladeleistung einiger Wallboxen herunter geregelt werden.

Die MeterPan arbeitet derzeit intensiv an einer Lösung genau diese Schalthandlungen automatisiert, intelligent und diskriminierungsfrei durchzuführen. Durch Zusammenarbeit mit mehreren Anbietern von Wallboxen entsteht hier eine Lösung, die dabei unterstütz den wachsenden Herausforderungen der Zukunft intelligent zu begegnen.

Im Projekt NEW 4.0 wurde intensiv erprobt wie bereit Endkunden sind Lasten zu verschieben, wenn mit entsprechenden Preisanreizen geködert wird. Es ist gut vorstellbar, das zukünftige Tarifmodelle nicht nur zeitvariabel sind, sondern insbesondere auch für das Thema Elektromobilität eine leistungsbezogene Komponente beinhalten. Ich darf Dich regeln, dafür bezahlst Du aber auch weniger.

Fakt ist auf jeden Fall, dass die zunehmenden Herausforderungen der Zukunft dafür sorgen werden, dass keinem in der Branche langweilig wird. Es ist insbesondere abzusehen, dass ein Verharren im Winterschlaf dazu führen kann, dass man von parallelen Entwicklungen im Markt überrollt wird.

Ich werde die Nachfrage meines Nachbarn, was ich denn beruflich so tue, in Zukunft wie folgt beantworten: "Ich sorge dafür, dass Du deine Wallbox anschließen darfst obwohl es bei uns in der Straße schon 4 gibt". Denn nächste Woche soll sein neues Elektrofahrzeug geliefert werden. Und das wird schon heute mit viel Euphorie und Liebe zum Detail vorbereitet.

Georg Baumgardt
Georg Baumgardt

ist als Produktmanager Metering Ihr Ansprechpartner für alle Themen rund um das moderne Messwesen.

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