MeteringBlog

Ein Statusbericht des Energiewendeprojektes NEW4.0

von Marc-Oliver Gries,

Das Forschungsprojekt “Implementierung eines dynamischen Tarifmodells“ läuft nun seit einem Jahr und es hat sich einiges getan.

Ich möchte den Statusbericht gerne mit einem Zitat beginnen:
„Und ist der Plan auch gut gelungen, bestimmt verträgt er Änderungen“
(Verfasser unbekannt)

Ich denke dies trifft so ziemlich auf jedes Projekt zu, welches einen wissenschaftlichen Ansatz hat. Denn wüssten wir alles im Vorwege, dann wäre es ja kein Forschungsprojekt.

Was konnten wir bis dato lernen? Die Technik ist im Digitalisierungszeitalter in den Griff zu bekommen; fast alles ist grundsätzlich machbar. Vor große Herausforderungen bei der Umsetzung von neuen innovativen Ideen in der Energiewirtschaft stellen uns die Regulierung und die Legislative. Die Energieversorger waren mit neuen Produktideen in der Vergangenheit immer sehr zurückhaltend und der Kundennutzen war oftmals nicht erkennbar. Genau das ist der Punkt auf den ich abzielen möchte. Wir haben vor Projektbeginn und währenddessen sozialwissenschaftliche Studien erarbeitet und viele Kundenworkshops durchgeführt. Die Ergebnisse und das Engagement der Kunden in den Workshops waren überraschend positiv. Es kann ganz klar gesagt werden, dass der Kunde gehört werden möchte und nach Möglichkeit mitbestimmen will, wie ein Produkt auszusehen hat.

Wir werden im Projekt mit einem einfachen dynamischen Tarif starten und zusammen nach den Bedürfnissen der Kunden den Tarif weiterentwickeln. Es wird ganz sicher nicht der einfachste Weg sein, denn schließlich wollen wir die “Launen von Mutter Natur bändigen“‘, also den temporär in hohen Mengen verfügbaren Windstrom verwerten. Ohne die Akzeptanz der Bürger wird das Projekt aber kein Erfolg werden. Die Zeiten, in denen Produkte entwickelt wurden und die Kunden diese kauften ohne nachzufragen sind schon lange vorbei!

Ich möchte aber natürlich an dieser Stelle auch zu den technischen Fortschritten etwas sagen. Wir haben inzwischen mit unserem Partner, der MeterPan GmbH, einen Status erreicht, indem wir diesen Monat die ersten friendly User mit einem Hardwarebundle ausstatten werden. Es handelt sich hierbei um die Kombination von einem Router, einem Basissystemwürfel von der Firma Codeatelier GmbH und vier Plug-in-Steckdosen von zwei unterschiedlichen Herstellern.

Hier werden wir die neu entwickelte Tarifmaschine außerhalb des Labors testen und unseren Probanden erste Testrechnungen auf Grundlage der zentralen Tarifierung zur Verfügung stellen können. Es wird spannend zu sehen sein, wie die User mit der neu entwickelten Handy-App und den Installationen der Hardware vor Ort durch unsere Techniker zufrieden sein werden. 

Wir beginnen die Tests mit unseren bewährten Messsystemen und die Schaltsignale kommen über den parallelen Weg des “Basiswürfels“ bei den Plug-in-Steckdosen an. Wir hoffen, dass die BSI-Gateways endlich dieses Jahr zur Verfügung stehen, damit wir auch diesen finalen Kommunikationsweg realisieren können

Die kommenden Wochen und Monate werden sehr spannend, nicht nur, weil das Projekt in die heiße Phase kommt, sondern weil sich immer deutlicher die Mehrwerte des Systems herauskristallisieren. Die Kombination intelligentes Messsystem / Smart-Home-System wächst in diesem NEW 4.0 Projekt zusammen und die Grenzen der Energiewirtschaft und des IKT-Bereiches verwischen zusehends. Ein solches System kann die Grundlage sein, um die Themen Smart City und eine flächendeckende Ausbreitung des IoT voran zu bringen und zu vereinheitlichen. Wir haben hier eine echte Chance um zukünftige Probleme der Energiewirtschaft zu lösen und neue Dienstleistungen zu generieren. 

Marc-Oliver Gries
Marc-Oliver Gries

verantwortet seit 2008 als Abteilungsleiter den Bereich des Netzvertriebes inkl. dem Messstellenbetrieb bei den Stadtwerken Norderstedt. Zudem ist Herr Gries seit 2014 Prüfstellenleiter der staatlich anerkannten Prüfstelle für Elektrizitätszähler und Zusatzgeräte ENO4 in Norderstedt.

mgries[at]stadtwerke-norderstedt [dot] de

Tel +49 40 521 04-389